Es war ein dreizehnter November,
es war eiskalt wie Totenländer,
ein Tag an dem die vielen Menschen,
wie immer leer waren, voll Begrenzen.

Millionen suchten, wo ist Glück,
und starrten, rafften, Gier bestückt,
leer waren sie, gingen kreuz und quer
sie liefen auf ihm hin und her.

Kalt waren sie, zogen Todesschneisen,
und trennten alles auf, nach Preisen.
Sie stahlen Leben nicht ermächtigt,
Sie waren Hülle, Frost, beschäftigt.

So kam es, daß sie ihn vergaßen,
Ihn nicht mal sahen nur frostend trafen,
denn dort wo er war, wurd's nicht warm.
Kalt waren sie leer und seelenarm.

Herr Einsam, er war da, doch fern,
für sie wie Nichts, leicht auszusperren.
Er ging und ging durch alle Gassen -
nichts, gar nichts, wollte ihn erfassen.

Die Brücke zog ihn, Eiseswerke,
wer streifte ihn, der nichts bemerkte.
Nur Sie sah ihn, die junge Frau,
daß er nicht da war, alt und grau.

Es war sehr kalt und Laub wurd schmutzig,
Hohn lachte laut und fror, wie putzig.
Die Köpfe wurden spitz und klein.
Es zog Argwohn in ihnen ein.

Er hatte nicht viel, fast nichts an.
Er war nur ein Pyjama-Mann.
Die andern sahen nicht sein Flehen,
sie liefen fort, keiner blieb stehen.

Er war ein Irren, leer im Herzen,
er spürte nichts, nicht Kälte, Schmerzen.
Er war nicht mehr, war nicht vor Ort,
sein Lebenshauch war fast ganz fort.

Die Stadt war reich am edlen Wasser,
die Liebe in ihr, starb, wurd blasser,
kein Mensch, kein Wesen, war für ihn,
nichts war im Leben ihm verziehen.

Die Zeit sagt man heilt alle Wunden
lebendig tot, schon fast entschwunden?
Warum, das konnte er nicht klagen,
sein Herz das wollte keine Fragen.

Sich selber geben ging nicht mehr
nichts war in ihm, ein sterbend Meer,
wie, wann, und wo war Sein verkommen?
Lieblos war ihm sein Licht genommen.

Geschunden durch der Kälte Hiebe
der Lüge, ungelebter Triebe
des Kämpfen, Warten, des Verlassen,
der hoffnungslosen toten Massen.

Was in ihm gab ihm noch die Macht,
sein Herzschlag, weiter treibend Kraft?
Leer, einsam hielt ihn nur das Netz
von Recht und Ordnung und Gesetz.

Wer war in dieser toten Mass,
haucht Liebe in ihn, keinen Haß,
wie viele unbekannte Seelen
will unsere Gleichmut uns noch stehlen?

Wo Liebe stirbt, da kriecht Schmerz hin,
war er im Nichts, ist mittendrin?

Das Spital Ost, die 12, der Flügel
ist er dort Mensch, dort auf dem Hügel,
stülpt es ihm dort seine Gedärme,
wie findet er noch Liebe, Wärme?

Ich hoff's für ihn, daß es sich wende.
Das ihn dort wiegt, der Liebe Hände,
auch Sein darf Güte niemals lassen,
sonst wird das Leben uns bald hassen.

Die Sonne, sie, wird sie je müder
warum vergessen wir die Brüder,
die Schwestern, Mütter und die Väter,
ist's schon zu spät, wird's immer später?



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